
Ein letzter Wunsch voller Liebe
Manchmal ist das Leben voller unerwarteter Wendungen, und manchmal bleibt für das Wichtigste einfach nie genug Zeit. So erging es einer Patientin, die am 19. Dezember 2024 auf unsere Palliativstation aufgenommen wurde. Sie litt an der unheilbaren Krankheit ALS, und ihr Körper wurde zunehmend schwächer.
Doch ihr Herz war voller Liebe und Hoffnung. Seit über 20 Jahren teilte sie ihr Leben mit ihrem Lebensgefährten. Eine Hochzeit war immer geplant gewesen – doch das Leben hatte andere Pläne. Als wir sie fragten, welchen letzten Wunsch wir ihr erfüllen könnten, kam ihre Antwort ohne Zögern: „Ich möchte endlich meinen Mann heiraten.“
Ein Wettlauf gegen die Zeit
Unsere Station ist mehr als ein Ort der medizinischen Versorgung – wir sind ein Zuhause auf Zeit, ein Raum für letzte Wünsche und besondere Momente. Gemeinsam mit unserem katholischen Pfarrer begannen wir sofort mit den Vorbereitungen. Die Hochzeit sollte an Heiligabend stattfinden, ein Tag der Liebe und der Zusammenkunft. Doch das Schicksal stellte andere Weichen: Der Gesundheitszustand der Patientin verschlechterte sich rapide. Es war klar, dass keine Zeit zu verlieren war. Die Trauung wurde vorgezogen, und am 22. Dezember 2024 sollte es soweit sein.
Ein Tag voller Liebe und Gemeinschaft
Innerhalb weniger Stunden mobilisierte unser Team alles Nötige. Kolleginnen und Kollegen legten liebevoll Hand an: Die Braut wurde frisiert und für ihren großen Moment hergerichtet. Ihr Lebensgefährte besorgte noch schnell die Eheringe. Blumen schmückten das Krankenzimmer, das sich in einen feierlichen Ort der Liebe verwandelte. Dann war es soweit – eine Trauung, wie sie emotionaler nicht hätte sein können.
Wir können das Leben nicht immer verlängern, aber wir können ihm besondere Momente geben.
Die Patientin und ihr frisch angetrauter Ehemann genossen jede Sekunde dieses kostbaren Augenblicks – die Liebe lag spürbar in der Luft.
Ein Abschied in Würde
Drei Tage später, am ersten Weihnachtsfeiertag, verstarb unsere Patientin friedlich – an der Seite ihres Mannes, den sie nun endlich ihren Ehemann nennen konnte. „In den letzten Tagen geht es nicht nur darum, loszulassen, sondern auch darum, noch einmal das Leben zu fühlen“, sagt Christiane Munsch. Wir sind dankbar, dass wir ihr diesen Herzenswunsch erfüllen konnten.
Was diese Geschichte zeigt
Auf unserer Palliativstation geht es nicht nur um medizinische Betreuung, sondern um den Menschen in seiner Ganzheit. Wir begleiten unsere Patienten und ihre Familien mit Wärme, Empathie und einem offenen Ohr für individuelle Bedürfnisse. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten, Pflegekräften, Seelsorge und Therapeuten schaffen wir einen Raum, in dem letzte Wünsche wahr werden können. Denn oft sind es genau diese Momente, die für immer bleiben.