
Die Strahlentherapie ist an etwa der Hälfte aller Tumorheilungen beteiligt – bei guter Lebensqualität.
Drei Fragen an : Prof. Dr. med. Ursula Nestle
Wir behandeln in Mönchengladbach vor allem maligne Tumore. Die Strahlentherapie spielt bei etwa der Hälfte aller Krebsheilungen eine Rolle – entweder als alleinige Behandlung oder in Kombination mit einer Operation oder Chemotherapie.
Dies gelingt schonend dank modernster Technologie. Man kann sich das so vorstellen: Krebszellen sind gegenüber der Strahlung empfindlicher als gesunde Zellen, die oft wieder ganz gut regenerieren können. Durch die Bestrahlung werden also Tumore gezielt zerstört, während das normale Gewebe weitgehend geschont wird – sozusagen mit einem „blauen Auge“ davonkommt.
Die Anwendung reicht sprichwörtlich von Kopf bis Fuß – von Gehirntumoren bis zu Metastasen im Bein. Besonders häufig behandeln wir bösartige Tumore von Brust, Prostata, Lunge oder Verdauungstrakt, wie Speiseröhre oder Enddarm. Auch Tumore im HNO-Bereich, im zentralen Nervensystem und im gynäkologischen Bereich gehören dazu.
Aber auch wenn eine Heilung nicht möglich ist, kann die Strahlentherapie helfen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität deutlich zu verbessern.
Also, wenn zum Beispiel ein Patient mit einem Prostatakarzinom über eine Bestrahlung nachdenkt, oder auch wenn für eine Brustkrebs-Patientin ein Tumorboard die Bestrahlung empfohlen hat, gibt es zuerst mal ein ausführliches Aufklärungsgespräch. Da klären wir alle wichtigen Fragen: Ist die Therapie sinnvoll? Was bedeutet das für den Patienten, die Patientin? Wie läuft es genau ab? Tut das weh?
Wenn sich die Patientin, der Patient für die Bestrahlung entscheidet, folgt dann ein Planungstermin. Dabei machen wir eine CT-Aufnahme in der späteren Behandlungsposition – vielleicht auch mit Lagerungshilfen, damit es bequem ist und die Bestrahlung gut klappt. Diese Lagerung wird dann mit Laser-Unterstützung markiert.
Anschließend zeichnet das Ärzte-Team in den CT-Bildern ein, was genau bestrahlt oder auch geschont werden soll. Das Team der Medizinphysik berechnet dann ganz genau den Bestrahlungsplan. Oft wird das Ganze mehrfach optimiert, was schon mal ein paar Tage dauern kann. Dann geht’s los: Montag bis Freitag, meist über mehrere Wochen.
Die Bestrahlung selbst dauert nur wenige Minuten, tut nicht weh und fühlt sich ein bisschen an wie eine Röntgenaufnahme. Man ist alleine im Raum, das Gerät bewegt sich drumherum, es brummt etwas – und das war’s. Die wichtigste Aufgabe für den Patienten? Einfach ruhig liegen bleiben.
Die Kombination von menschlicher Medizin und modernster Technik ist für mich sehr spannend. Ich finde es wunderbar, dass man in der Strahlentherapie eigentlich immer ziemlich genau weiß, was man tut, und damit auf eine vergleichsweise schonende Weise lebensbedrohliche Erkrankungen heilen kann. Wir machen dabei genau das, wovon unsere „Urahnen“ wie Leonardo Da Vinci oder Marie Curie geträumt haben!
Dazu passt meine Begeisterung für die wissenschaftliche Basis der Strahlentherapie und dafür, diese weiter zu entwickeln. Dabei engagiere ich mich neben meiner Tätigkeit in Krankenversorgung, Forschung und Lehre auch persönlich in verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen, wie zum Beispiel in verschiedenen Leitlinienkommissionen, als Sprecherin der Strahlentherapeuten in der deutschen Krebsgesellschaft (ARO), als Kongresspräsidentin unserer Fachgesellschaft (DEGRO) oder auch als Vorsitzende der Strahlenschutzkommission (SSK).
Überdies nehmen wir an großen nationalen und internationalen Studien teil, neben eigenen Projekten auch an klinischen Studien anderer renommierter Wissenschaftler. Im Ergebnis entstehen daraus neue Behandlungsmethoden mit optimaler Nutzung von Strahlen in der Medizin.
Vita
- Prof. Dr. med. Ursula Nestle
- Geboren in Neustadt/Weinstraße
- Studium in Mainz und Freiburg; Abschluss im Jahr 1990
- 1995: Fachärztin für Radioonkologie
- 2003: Fachärztin für Nuklearmedizin
- 2007: Habilitation
- 2017: Chefärztin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Kliniken Maria Hilf, Mönchengladbach
- 1992 – 1996
- Facharzt-Ausbildung Strahlentherapie, Abteilung für Strahlentherapie der radiologischen Universitätsklinik, Homburg / Saar
- 1996 – 2000
- Fachärztin, Abteilung für Strahlentherapie der radiologischen Universitätsklinik, Homburg / Saar
- 2000 – 2003
- Facharzt-Ausbildung Nuklearmedizin, Abteilung für Nuklearmedizin der radiologischen Universitätsklinik, Homburg / Saar
- 2003 – 2008
- Oberärztin, Abteilung für Nuklearmedizin der radiologischen Universitätsklinik, Homburg / Saar
- 2017
- Chefärztin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Kliniken Maria Hilf, Mönchengladbach
- 2012
- Ernennung zur außerplanmäßigen Professorin durch die medizinische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- 2011
- Verleihung des Eleonore und Fritz Hodeige Preises
- 2008 - 2017
- Oberärztin der Klinik für Strahlenheilkunde (Unv. Freiburg) davon seit 2009 geschäftsführende und ab 2012 leitende Oberärztin
- 2007
- Habilitation
- 2003
- Oberärztin der Klinik für Nuklearmedizin (Univ. Homburg, Saar)
- 2003
- Fachärztin für Nuklearmedizin
- 1996
- Fachärztin für Strahlentherapie
- Deutsche Krebsgesellschaft (DKG): Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie (ARO) seit 2022
- Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO): Gründung und Sprecherin der “AG Nuklearmedizin und Strahlentherapie der DEGRO und DGN” 2006 bis 2022
- IAEA: Beraterin im internationalen Expertengremium “PET/CT in Treatment Planning in Lung Cancer” der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ab März 2006
- Strahlenschutzkommission (SSK) am Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV): Mitarbeit seit 2009 Mitglied der Hauptkommission seit 2015, Vorsitzende ab 2023
- EORTC: Mitglied seit November 2008
(Radiation Oncology group, Lung group, Imaging Group)
Gründungsmitglied und “Secretary” der EORTC imaging group (2009-2012)
Principle Investigator LungTec trial (EORTC 22113-08113)
- Deutsche Krebsgesellschaft (DKG)
- Deutsche Gesellschaft für Radio-Onkologie (DEGRO)
- Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN)
- European Society for Radiation Oncology (ESTRO)
- American Society for Radiation Oncology (ASTRO)
Text folgt