
Bei der Überwachung eines Patienten unter Narkose haben wir manchmal mehr Parameter auf dem Radar als ein Pilot, der ein Verkehrsflugzeug fliegt.
Drei Fragen an : Prof. Dr.med. Andreas Hohn
Die modernen Anästhesieverfahren ermöglichen, dass heute hochkomplexe Operationen machbar sind. Und das auch bei älteren oder multimorbiden Patienten, deren Anzahl durch die demografische Entwicklung immer weiter steigt. Unser Job hat dabei im Wesentlichen vier Dimensionen: Wir wählen das beste Anästhesieverfahren aus, sorgen für maximale Sicherheit während der gesamten Operation, entwickeln individuelle Konzepte für die Schmerztherapie und Nachbetreuung und sorgen für einen hohen Patientenkomfort.
Das Wichtigste für uns ist, dass die Patienten den Eingriff sicher und entspannt überstehen. Wir sind natürlich auch darauf vorbereitet, falls es zu Problemen kommen sollte. Hier gilt es im Vorgespräch, bereits Risiken zu erkennen. Und grundsätzlich wachsam und gut vorbereitet zu sein, um schnell zu reagieren.
Während des Eingriffs sind wir vergleichbar mit einem Piloten:
Wir haben alle wichtigen Parameter, wie zum Beispiel Herzfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Narkosetiefe oder Muskelrelaxierung und vieles mehr ständig im Blick. Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Körperfunktionen im Gleichgewicht zu halten. Gleichzeitig achten wir auf den Komfort der Patienten, wie zum Beispiel eine angenehme Körpertemperatur. Wir sagen immer: möglichst kuschelig halten. Nach der Narkose gibt es oft direkt ein Wassereis, im Aufwachraum kann man oft sofort eine Tasse Kaffee trinken.
Bei Regionalanästhesien können Sie wach bleiben oder zusätzlich eine leichte Sedierung erhalten. Wir bieten die Möglichkeit, während der OP einen Film zu schauen mit der Videobrille: Action-Film, Natur-Doku oder ein klassisches Konzert – jeder so, wie er möchte.
Eine gute Narkose zeichnet sich vor allem durch Präzision und Individualität aus. Entscheidend ist, dass die Narkosetiefe genau auf den Patienten und die jeweilige Operation abgestimmt ist. Dafür nutzen wir moderne Messverfahren, die uns helfen, die Dosierung der Medikamente passgenau zu bestimmen.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist das Erstgespräch. Hier nehmen wir uns Zeit, um in Ruhe alles zu erklären, Fragen zu beantworten und eine Vertrauensbasis zu schaffen. Wir wissen, dass eine gute Kommunikation, gerade bei der Sorge vor Schmerzen oder anderen Komplikationen, ein wichtiger Schlüssel ist, um Sorgen und Ängste zu nehmen.
Für die Zeit nach der Operation haben wir ein spezialisiertes Team, das sich intensiv um die Nachbetreuung und die Schmerztherapie kümmert. Kontrollen finden mehrfach täglich statt. Das ist besonders wichtig bei Patienten, die bereits vor der Operation chronische Schmerzen mitbringen.
Im Vorfeld einer Operation nehmen wir uns viel Zeit, um alle wichtigen Fragen und Themen mit unseren Patienten zu besprechen. Unsere Patientenklientel ist sehr breit gefächert – wir betreuen sowohl Säuglinge als auch hochbetagte Menschen. Deshalb ist das Erstgespräch für uns ein ganz zentraler Schritt. Hier klären wir umfassend auf, legen eine Vertrauensbasis, und nehmen Unsicherheiten und Ängste ernst.
Im Gespräch ordnen wir gemeinsam ein: Ist der Patient grundsätzlich gesund oder bringt er relevante Vorerkrankungen oder spezielle Risiken mit? Ist die geplante Operation eher komplex oder weniger aufwändig? Aus diesen Informationen leiten wir dann das individuell passende Anästhesieverfahren ab und besprechen auch, wie die postoperative Nachbetreuung aussehen wird.
Ein Thema, das fast alle Patienten ansprechen, ist: „Ich möchte nichts mitbekommen.“ Und natürlich gehen wir auf die häufigsten Sorgen ein, zum Beispiel: „Werde ich während der OP wach?“ oder „Bekomme ich Schmerzen nach dem Eingriff?“ Hier können wir beruhigen und genau erklären, wie wir für Sicherheit und Schmerzfreiheit sorgen. Unser Ziel ist es immer, dass die Patienten gut informiert und mit einem sicheren Gefühl in die Operation gehen.
Vita
- Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Hohn MHBA DESA EDIC
- Geboren 1972 in Adenau
- Studium in Gießen/Köln/Bonn/Nürnberg, Abschluss im Jahr 2001
- Seit 01.01.2019
- Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Operative Intensivmedizin, Kliniken Maria Hilf Mönchengladbach
- 2018
- Habilitation und venia legendi für das Fach Anästhesiologie und Intensivmedizin
- 2018
- Zusatzbezeichnung Notfallmedizin
- 2016 – 2018
- Erster Oberarzt und stellvertretender Bereichsleitender Oberarzt Intensivmedizin der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Uniklinik Köln
- 2016
- Kommissarischer Bereichsleitender Oberarzt Intensivmedizin der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Uniklinik Köln
- 2015 – 2018
- Erster Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Uniklinik Köln
- 2014 – 2015
- Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Uniklinik Köln
- 2013 – 2014
- Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil, Ruhr-Universität Bochum
- 2013
- Promotion
- 2010 – 2013
- Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Krankenhaus Düren
- 2010
- Zusatzbezeichnung Intensivmedizin
- 2006 – 2010
- Facharzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Klinikum Köln Merheim
- 2004 – 2006
- Assistenzarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Klinikum Köln Merheim
- 2003 – 2004
- Assistenzarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, St. Elisabeth Hospital Hohenlind, Köln
- 2001 – 2003
- Arzt im Praktikum der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin, St. Franziskus Hospital Köln
- 2017
- MHBA - Master of Health Business Administration (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
- 2015
- Qualitätsbeauftragter nach DGQ
- 2015
- Prüfarzt nach GCP
- 2014
- Crew Resource Management (CRM)- Simulator Instruktor
- 2014
- European Trauma Course (ETC) Provider
- 2013
- DESA – European Diploma in Anaesthesiology and Intensive Care
- 2012
- EDIC – European Diploma in Intensive Care Medicine
- 2010
- Managementkurs für Ärzte
– Volle Weiterbildungsermächtigung im Fachgebiet Anästhesiologie
– Weiterbildungsermächtigung für die Spezielle Anästhesiologische Intensivmedizin für 24 Monate