Organisation des Pflegedienstes in den Kliniken Maria Hilf GmbH

PflegedienstStruktur und LeitungOrganisation des PflegedienstesOrganisation des Pflegedienstes

Die Organisation des Pflegedienstes in den Kliniken Maria Hilf GmbH

30.08.2013

Die geänderten Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen und im Krankenhaus erfordern die Entwicklung neuer Konzepte und das Beschreiten anderer, neuer Wege. Die Aufgabenstellungen der einzelnen Berufsgruppen in der Patientenversorgung haben sich deutlich verändert. Dem in allen Bereichen höherer Spezialisierungsgrad sowie den gestiegenen Arbeitsumfang werden die bisher bewährten Organisationsstrukturen nicht mehr gerecht.

Aus diesem Grunde wurde in der Pflegedirektion ein neues Stationsorganisationskonzept entwickelt.

Klassischerweise werden alle Aufgaben am und um den Patienten im Wesentlichen von Ärzten und Pflegekräften erledigt. Dies ist aus qualitativer und ökonomischer Sicht heute nicht mehr sinnvoll.

Seit 2007 werden Arbeitsabläufe und Verantwortlichkeiten in den Stationen neu strukturiert und praktisch erprobt. Die traditionelle Aufgabenzuordnung zwischen Ärzten und Pflegekräften wurde kritisch betrachtet und nach entsprechenden Analysen zunächst theoretisch neu geordnet. So entstanden Aufgabenverteilungen, die das bisherige Gesamtangebot der Stationen an medizinischen und pflegerischen Leistungen erhalten und zum Teil noch erweitert. Im Rahmen dieses Konzeptes werden die Aufgaben durch den Einsatz unterschiedlich spezialisierter Berufsgruppen qualifizierter und ökonomischer bewältigt. Dabei wird unterschieden zwischen zeitweilig und dauerhaft in der Station anwesenden MitarbeiterInnen.

Bei der Gruppe der zeitweilig anwesenden MitarbeiterInnen handelt es sich um Reinigungskräfte für die Flächen- und Sanitärreinigung.

Ebenso der Patientenbegleitdienst, der alle Patiententransporte zu Zielen außerhalb der Stationen übernimmt. Hierbei ist die Zielsetzung, dass durch den Einsatz auch von examiniertem Pflegepersonal in dieser Gruppe qualifizierte Transporte wie z. B. zum und vom OP oder den Intensivstationen etc., erledigt werden.

Alle Bedarfe an Verbrauchsmaterialien, Medikamenten, Infusionen sowie Flach- und Personalwäsche werden durch die MitarbeiterInnen der Abteilung Logistik erfasst, z. T. disponiert und in die entsprechenden Lagerplätze innerhalb der Stationen verbracht. MitarbeiterInnen der Bettenzentralen entsorgen Betten und beliefern die Stationen mit diesen.

Weitere zeitweilig in der Station anwesende Berufsgruppen sind beispielsweise Physiotherapeuten, Logopäden, Sozialarbeiter u. a.

Die konsequente Verlagerung der genannten Aufgaben aus der Pflege und die Zentralisierung in andere Verantwortungsbereiche erfolgte bereits vor einigen Jahren zur Entlastung des Pflegedienstes. Zum einen zur Verbesserung der Qualität, durch gezielt für diese Aufgaben qualifiziertes Personal und zum anderen zur Senkung der Kosten.

Die dauerhaft in einer Station anwesenden MitarbeiterInnen bilden ein Stationsteam aus fünf verschiedenen Arbeitsgruppen, deren Handlungsfelder klarer abgegrenzt und definiert sind.

Die Berufsgruppen bestehen aus Leitstellen-, Service-, Pflege-, Arzt- und Koordinationsmitarbeitern. Die Berufsgruppenvielfalt mit den differenzierten Verantwortlichkeiten erfordert eine enge und gleichberechtigte Zusammenarbeit, um möglichst effektiv und patientenorientiert zu arbeiten. Ein reibungsloser interdisziplinärer Austausch ist im Sinne einer möglichst optimalen Patientenbetreuung unerlässlich.

Die Hauptaufgaben der einzelnen Berufsgruppen sind im Folgenden aufgezeigt, bilden aber nur die Grundstruktur ab.

● Die Leitstelle erledigt alle administrativen Aufgaben,

die in der Station anfallen. Dabei ist es unabhängig, ob die Aufgaben aus dem pflegerischen oder ärztlichen Verantwortungsbereich kommen. Hier werden alle Termine koordiniert, alle Telefonate zentral entgegengenommen und die Aktenführung übernommen. Die Leitstelle ist i. d. R. von montags bis freitags zwischen 7.30 Uhr und 18.00 Uhr besetzt. An Samstagen ist häufig ein Frühdienst eingerichtet. Grundsätzlich sind aber die Dienstzeiten stationsindividuell adaptiert, da auf die jeweiligen Bedürfnisse und Prozesse und nicht auf starre Dienstzeitenvorgaben Rücksicht genommen wird.

● Der Stationsservice erledigt alle Tätigkeiten aus dem Bereich der Hotelleistungen

bis hin zum Richten der Betten mobiler Patienten. Zentrale Hauptaufgabe ist die komplette und verantwortliche Betreuung der Speisenversorgung. Daneben ist diese Gruppe zuständig für diverse Reinigungsaufgaben im Patientenumfeld und trägt im Sinne einer „Hausdame" die Verantwortung für das Erscheinungsbild der Station. Die Dienstzeiten sind an sieben Tagen in der Woche zwischen 7.30 Uhr und 19.00 Uhr. Ebenso wie im Bereich der Leitstelle sind diese stationsindividuell angepasst.

● Die Pflege erledigt patientennahe Tätigkeiten.

Hauswirtschaftliche und administrative Aufgaben werden an Leitstelle und Service abgegeben. Zu den berufsspezifischen Pflegeaufgaben kommen Leistungen hinzu, die bislang durch ärztliches Personal erledigt wurden, wie z. B. Blutabnahmen, teilweise i.v. Medikationen nach Positivliste, Verbände, Magensonden, etc.. Pflege wird dadurch noch mehr zum zentralen Partner der Patienten, da fast alle Tätigkeiten in Patientennähe durch Pflege erbracht werden. Der immer geforderte längere bzw. bessere Patientenkontakt mit den entsprechenden Zeitressourcen wird ermöglicht. Die Kompetenzen und die Verantwortung der Pflege werden enorm gesteigert.

● Die Medizin konzentriert sich auf Diagnostik und Therapie.

Mit diesem Hauptfokus und dem Zeitgewinn durch Abgabe administrativer und anderer Aufgaben, können die Mediziner ihre Primäraufgaben zeitnäher erledigen. Aber auch die Kommunikation mit den Patienten- und Angehörigen kann intensiviert werden. Zudem werden Zeitressourcen freigesetzt, die für eine bessere Planung und Einhaltung der Patienten- / Behandlungspfade genutzt werden können.

● Stationsleitungen koordinieren die Arbeitsgruppen

und haben Vorgesetztenfunktion für alle Berufsgruppen innerhalb der Station, außer dem ärztlichen Dienst. Diese Stationsleitungen müssen sich aus den patientennahen Tätigkeiten zurückziehen. Sie haben die Gesamtverantwortung für die reibungslosen Prozessabläufe in der Organisationseinheit im Sinne des Case-Managements. Diese Berufsgruppe soll ausgewiesener Ansprechpartner für alle Fragen von Patienten und Angehörigen sein. Ausgenommen davon sind natürlich solche, die dem Arztdienst vorbehalten bleiben müssen, wie z. B. zu Diagnose, Therapie, Perspektiven, usw.. Geplant ist die Möglichkeit zur Vergabe von Terminen für Patienten und Angehörige, wo nach entsprechender Vorbereitung, die Entlassungsplanung, poststationäre Weiterbetreuung, pflegerische und weitere organisatorische Fragestellungen besprochen werden können.

Die Erfolge in den beteiligten Stationen waren schon früh klar zu erkennen. Auch in den Zeiten, als in den Stationen die endgültige, komplette Organisationsstruktur abschließend umgesetzt worden ist, waren die Rückmeldungen ausgesprochen positiv. Insbesondere die Pflegekräfte erlebten erheblich ruhigere Betriebsabläufe, da sie z. B. nicht mehr durch ständiges Telefonklingeln ihre Arbeit unterbrechen mussten. Ebenso erledigen die Leitstellenmitarbeiterinnen viele administrative Tätigkeiten für die Pflege. Die tägliche Menüabfrage und Verantwortung für die Speisenversorgung durch die Servicemitarbeiterinnen entlastet enorm. Hingegen werden Blutabnahmen oder i.v. Injektionen, etc. sehr gerne übernommen, da sie dies in den Arbeitsprozess integrieren können, der ohnehin am Patienten stattfindet. Der ärztliche Dienst nimmt die Angebote der Übernahme von Tätigkeiten durch Leitstelle und Pflege gerne wahr und gewinnt die notwendigen Freiräume für Erledigung medizinischer Aufgaben. Die neuen Berufsgruppenmitglieder in Leitstelle und Service empfinden ihre Aufgaben als ausgesprochen anspruchsvoll und erkennen die Notwendigkeit und Erfolge ihrer Arbeit.

Ziel dieses Konzeptes ist es, das Handlungsgefüge um den Patienten bestmöglich zu koordinieren und damit eine höhere Qualität und bessere Effektivität zu erlangen. Ebenso wird der Besetzungsproblematik in den Berufsgruppen Pflege und Medizin entgegengewirkt, da durch die Aufgabenverschiebung letztendlich an diesen Stellen weniger Mitarbeiter benötigt werden. Die durch Pflegekräfte erledigten nichtärztlichen Aufgaben sind ebenso preisgünstiger wie der Einsatz von Servicekräften und Leitstellenmitarbeiterinnen. Die Gesamtanzahl an Mitarbeitern innerhalb der Stationen ist aber bei gleichen Personalkosten beträchtlich gestiegen. Damit wird die unverändert anfallende Arbeit allein schon durch mehr Mitarbeiter erledigt. Der Arbeitsdruck auf den Einzelnen lässt spürbar nach.

Dieses Konzept bietet viele Chancen mit den begrenzten finanziellen Ressourcen die erforderlichen Leistungen bei hoher Qualität patientenorientiert zu erbringen. Zudem eröffnen sich, aufgrund der jeweiligen Spezialisierungen, Möglichkeiten für alle Berufsgruppen eine höhere Professionalisierung zu erlangen.

Dies ist ein Weg als Einrichtung im Gesundheitswesen konkurrenzfähig zu bleiben und ökonomisch sinnvoller zu wirtschaften.